Von Ucayaly über Huánuco nach Ancash

Rückfahrt auf spannendem Terrain
Heute war Reisetag angesagt - dazu passte es recht gut, dass die erste Fähre in Honoria gegen halb sechs übersetzte und uns, quasi zum Sonnenaufgang, weckte.
Die 40 km Rückweg bis zur befestigten Straße waren teilweise sehr spannend: Großteils schon trocken, aber immer wieder mit Schlammpassagen. Speziell der Fahrbahnrand hatte es in sich. Einmal zu weit ausgewichen und schon rutschten wir in den Straßengraben. Mit Untersetzung und viel Gefühl setzten wir retour und dann arbeiteten wir uns ganz vorsichtig aus dem Straßengraben heraus. Baghira und Gottfried meisterten es bravourös!
Nach diesem Erlebnis fuhren die beiden dennoch etwas vorsichtiger und wichen nur mehr auf bereits frisch befahrenen Spuren aus. Ein LKW war auch in den Straßengraben gerutscht, ein zweiter zum Abschleppen gerade eingetroffen. Wir arbeiteten uns dazwischen durch - einfach "herausfordernd spannend". ;-)
Die Traktion ist in diesem rutschigen Terrain auch mit den besten Mud-Terrain Reifen schwierig. Wichtig ist es, immer horizontal zu bleiben und auch da kommen die Reifen an die Grenzen. Gottfried - und wahrscheinlich auch Baghira - waren richtig froh, wieder Asphalt unter den Reifen zu haben!
Tingo María – eine lebendige Stadt
Von Campo Verde fuhren wir auf gleicher Strecke wie am Hinweg nach Alexander von Humboldt retour - ja, der Ort heißt wirklich so - und bogen dann in westlicher Richtung nach Huánuco ab. Ein Pass mit knapp 2.000 hm war zu überwinden und dann ging es im Hochregenwald hinab nach Tingo María. Diese Stadt pulsiert: überall waren Tuktuks (dreirädrige Mototaxis) unterwegs, es gibt eine eigene Uni, zahlreiche Geschäfte und viele Menschen.
Catarata Santa Carmen
Hier in dieser Region gibt es keine Campingplätze und auch wenig Stellplätze, die in iOverlander beschrieben sind. Claudia hatte einen Wasserfall ausfindig gemacht, bei dem man am Parkplatz auch nächtigen kann.
Kurz nach Tingo María bogen wir nach links in ein Tal ab. Bald waren wir am Ende der kleinen Straße angelangt und dort lag auch der Parkplatz. Mit der Tagesparkgebühr durften wir auch über Nacht bleiben.
Manner mag man eben!
Wir bedankten uns bei der Familie, der das Grundstück gehört, mit einer Wanderdose Manner Schnitten und schon gab es freudestrahlende Gesichter - sogar bei den bis dahin eher gelangweilten Teenagern. Hier in Peru heißen diese Art von Schnitten ebenfalls "waffle". :-)
Genussvolles Bad
Der Weg zum Wasserfall war nett angelegt. Und da baden auch erlaubt war, marschierten wir zurück und holten unser Zeug. Bei 22 Grad Wassertemperatur war es richtig erfrischend, aber bei über 30 Grad Lufttemperatur und hoher Luftfeuchtigkeit ein wahrer Genuss.
Asado mag man auch ;-)
Um 17 Uhr schloss der Eintritt und bald standen wir allein am Platz. Zum Abschluss des Tages gab es unser erstes Asado auf dieser Tour. 800 Gramm Picaña vom Grill, Mais und Kartoffel dazu und ein guter Rotwein, das haben wir uns verdient.
In der Dämmerung und dann in der stockfinsteren Nacht war dann die Geräuschkulisse des Dschungels teils heftig. Zuerst dachte ich, eine Sirene zu hören, aber es war doch irgendein Tier. Gequake, pfeifen, surren, zwitschern und was noch alles .. aber es wurde dann leiser - irgendwann schlafen diese Tierchen ja auch.
Über die Anden
Wer A wie Dschungel sagt - muss auch B wie Anden sagen. Wer vom Meer in den Dschungel will muss über die Anden und auch wieder retour.
Es ging durch den Hochregenwald über den ersten Pass auf 2.600 hm und dann auf 2.000 hm lange dahin bis zur Stadt Huánuco. Hier fuhren wir in westlicher Richtung weiter und dann auf 4.000 hm über den nächsten Pass durch das Altiplano, das Andenhochland. Auf gut 150 km pendelten wir zwischen 3.500 und 4.000 hm durch die Steppe Perus, das Paramo.
Bitte warten …
Die Straße war anfänglich schmal, dann wieder super ausgebaut. Dazwischen gab es immer wieder verschüttete Passagen. Vom Berg kommt immer wieder Material runter, sodass die Straße teils oder auch ganz verschüttet ist. Dann wird wieder eine Spur freigeräumt, um die Straße wieder passierbar zu machen. In der Nacht hatte es ja heftig geregnet und auf einer Stelle war die Schubraupe noch am Arbeiten. Wir mussten eine Stunde warten, bis wir weiterkonnten.
Dann schraubte sich die Straße noch einmal richtig nach oben, auf mit 4.700 hm unseren höchsten Punkt der Route. Die Straße war hier schon älter, jedoch super zweispurig ausgebaut und die Schäden alle repariert. Hier gibt es zahlreiche Minen und da sind die Straßen meist topp und auch von der Steigung angenehm, damit die LKWs mit ihren schweren Ladungen weiterkommen.
Die weißen Berge und ein hoher Schlafplatz
Vom Pass ging es dann nach unten in Richtung Laguna Conococha und wir sahen die ersten weißen Berge der Cordillera Blanca! Wie schön war das! :-)
An der Lagune zweigten wir auf die Straße, welche aus Lima kommt und nach Huaraz führt. Zwischenzeitlich war es schon finster geworden und wir suchten uns einen Stellplatz am Rio Santa, unweit der Hauptstraße an einer Nebenstraße.
Nach fast elf Stunden Fahrt und 360 zurückgelegten Kilometern waren wir ziemlich erledigt .. aber da kommen wir wieder zum Anfang - wer A sagt .. ;-)
Unser Schlafplatz lag auf 4.000 hm und trotzdem wir noch nicht wirklich akklimatisiert waren, schliefen wir sehr gut, nur es war ziemlich kalt.
Summiteers Reiseerlebnis
Die Akklimatisation kann man ja nicht "mitnehmen". Man kann sie auch nicht "erlernen". Man muss sie "tun".
Dennoch haben wir die Erfahrung gemacht, dass der Körper sich scheinbar "daran erinnert" und durch diese Erinnerung nicht mehr so gestresst ist.
Dass wir nach dieser Fahrt auf 4.000 hm so gut schliefen, war einfach toll. Wir wissen aber auch, wie wir uns verhalten müssen: alles ruhig und langsam – einfach gechillt! :-)