Silvester in Ecuador und die Andenbären

Finca Sommerwind
Die Finca Sommerwind war uns schon länger ein Begriff. Hans, der Besitzer, ist aus Deutschland und hat 2012 den Grund Nähe der Laguna de Yahuarcocha gekauft. Damals war dort nur Wüste - neben der nach wie vor bestehenden Rennstrecke.
Hans ist in allen Overlander Netzwerken vertreten. Auf den WhatsApp Gruppen und vor Ort unterstützt er mit seiner Expertise, die man als Reisender immer irgendwann benötigt.
Wir kamen spät abends an und bekamen einen netten Platz auf der oberen Ebene hinter dem Haus zugewiesen. Wir kochten uns noch unser zweier-Menü: Spaghetti Bolognese und fielen müde ins Bett.
Overlander-Treff
Am nächsten Tag machten wir uns mit unseren Nachbarn bekannt. Die Finca Sommerwind ist ein genialer Treffpunkt für bereits bestehende und auch neue Overlander-Bekanntschaften.
So trafen wir die "Weitwinkler" Christina und Axel wieder, die wir bei unserer zweiten Etappe in Brasilien kennengelernt hatten. Wir folgten Ihnen seither auf ihrer Reise und es war superschön, sie hier wieder zu sehen!
Beim Frühstücksabwasch lernten wir ein Paar aus Puerto Rico kennen, die gerade aus Kolumbien kamen und uns einige Tipps für unsere Reise gaben. Unter unseren Nachbarn befand sich Robert, aus Australien, der seit 15 Jahren in Südamerika unterwegs ist, sowie Susanne und Klaus aus Deutschland, die ebenfalls aus Kolumbien kamen und ein Schweizer Paar, Caterina und Stefan, die ebenso wie wir in Richtung Norden fahren.
Silvesterbräuche in Ecuador
Am 31. Dezember fuhren wir nochmal nach Ibarra, um Baghira waschen und die Spur einstellen zu lassen. Am Rückweg fuhren wir um die Lagune und blieben bei einer Silvester-Sperre hängen.
In Ecuador gibt es den Brauch, dass um Mitternacht Puppen verbrannt werden, um sich symbolisch vom Alten zu trennen. Die Figuren stellen meist Politiker, Schauspieler oder Comicfiguren dar und sind laut Hans immer männlich.
Und da die Frauen der Männer dann zu Witwen werden, müssen diese auf die Straße gehen und betteln. Einige Ecuadorianer verkleiden sich somit am 31. Dezember als (oft auch "heiße") Witwen und stehen tanzend auf der Straße für eine Spende für die armen Witwen.
Dass wir als Extranjeros stehen blieben und Ihnen die obligatorischen 50 Cent Spende zahlten, war für sie eine Sensation und Gottfried hatte einige Verehrer(innen). ;-)
Silvesterdinner @Finca Sommerwind
Den Silvesterabend verbrachten wir gemütlich beim Dinner im Restaurant von Hans und um Mitternacht spazierten wir zu einer der höher gelegenen Cabañas auf dem Grundstück, um uns das Feuerwerk über Ibarra und der Lagune anzusehen. Hier wurde auch die obligatorische Puppe verbrannt. Hans ließ den Namen für die Puppe uns über. Einige von uns entschieden sich für "Moskito". Denn hier gibt es voll mühsame Moskitos und auch kleine schwarze Fliegen, die echt böse beißen.
Ob es im neuen Jahr nun einfacher wird mit den Moskitos werden wir noch sehen - ich vermute mal eher nicht. ;-)
Oso Andino
Von Ibarra fuhren wir die Panamericana zuerst in nördlicher und dann in östlicher Richtung, bis wir bei Pimampiro in den Süden abbogen. Hier fuhren wir auf einer alten Steinstraße einige Kilometer bis ins Örtchen San Jose. Dort befindet sich am Grund von Danilo ein Beobachtungspunkt für Oso Andinos – Brillenbären, die einzige Bärenart in Südamerika.
Wir stellten Baghira beim Haus von Danilo ab und machten ihn beim Nachbarn ausfindig. Danilo führte uns und Baghira über einen kleinen Weg zum Aussichtspunkt, auf dem wir parken und übernachten durften.
Der Platz bietet einen wunderschönen Blick in ein steiles Tal. Auf der gegenüberliegenden Seite leben die Brillenbären. Danilo unterstützt die Besucher dabei, die Tiere zu spotten. Gleich beim Ankommen sahen wir auf der anderen Seite des Tales auf einer Wiese einen Bären dahintrotten. Die Tiere sind aber geschätzt mindestens 200 - 300 Meter Luftlinie entfernt, manchmal auch mehr.
Mit dem Fernglas kann man den Tieren entspannt zusehen, Danilo zeigte sie zudem durch ein hochwertiges Fernrohr. Am Nachmittag konnten wir noch einen großen Bären am steilen Abhang gegenüber beobachten und zwei Weibchen mit ihren Jungen. Die Tiere verschwinden immer wieder unter den Bäumen und man muss schauen, auf welcher Lichtung sie wieder auftauchen. Die Kleinen kraxelten auf den Bäumen herum - echt süß zum Zuschauen! Das Fotografieren auf diese Distanz wurde jedoch im Gegenlicht zur Herausforderung.
Spannend ist auch, dass die Menschen hier die steilen Hänge nutzbar machten und im Lebensraum der Bären Mandarinen und Avocado Bäume setzten. Laut Danilo lebten 2017 noch um die hundert Bären hier. Heute werden es vermutlich weniger sein aber über die Einkünfte durch den Tourismus dürfte ihr Überleben gesichert sein. Zumal es Hänge mit vielen Bromelien, ihrer Hauptnahrungsquelle, gibt, die für die landwirtschaftliche Nutzung dann doch zu steil sind.
Als sich die wenigen Touristen verzogen hatten, standen wir ganz alleine auf der Wiese. Am nächsten Morgen konnte Claudia noch einen Bären ausfindig machen. Hier passte auch das Licht und es gab doch noch ein paar schöne Fotos.
Nach dem Beobachten und dem Frühstück ging's über die Rumpelpiste zurück auf die Panamericana - die Grenze nach Kolumbien wartet!
Summiteers Reiseempfehlung
Fast hätten wir den Aussichtspunkt der Andenbären übersehen. Dank eines Posts von Overlandern wurden wir darauf aufmerksam!
Auf Reisen bewährt es sich, anderen Reisenden zu folgen. Manche posten auf Social-Media-Kanälen, manche nutzen den WhatsApp Status und viele Overlander nutzen spezielle Reiseapps, wie Polarsteps oder Finding Pinguin. Diese Einträge sind oft wertvoller als jeder Reiseführer!