Shanay-timpishka - der kochende Fluss

07.12.2025

Holprige Anfahrt

Nach einem ausgiebigen Frühstück fuhren wir von Pucallpa zurück nach Campo Verde. Dort bogen wir nach Süden ab, um gut 40 km auf einer richtigen Rüttelpiste nach Nueva Honoria zu kommen. Hier erwartete uns bereits Roberto, unser Bootsfahrer und Guide für den nächsten Tag. Vor seinem Haus und neben der Fähranlegestelle hatten wir einen tollen Stellplatz.

Wir waren schon am frühen Nachmittag angekommen und saßen bei gut 30 Grad im Schatten vor Baghira und beobachteten die Fähren, welche am Sonntag zahlreiche Passagiere mit ihren Tuktuks über den Rio Pachitea hin und her brachten. Zu Abend kochten wir selbst und gingen zeitig ins Bett. Abfahrt für die Tour zum "kochenden Fluss" war für 6 Uhr vereinbart, damit wir nicht in der ärgsten Hitze wandern müssten.

Wie der Wettergott will

Wir sind im Regenwald und da gibt es in der Regenzeit auch mal .. genau .. Regen!

Uns wurde erklärt, dass es hier nicht täglich regnet, meist nur ein- oder zweimal die Woche. Und es kann von einer Stunde bis zu einem halben Tag - und da auch heftig - regnen. Bis dato waren wir vom Regen "verschont" geblieben, aber in der Nacht ging's dann richtig los. Gewitter, teils kräftiger Wind und Regen, Regen, Regen.

Um 6 Uhr war von Tourbeginn keine Rede. Gegen 8 Uhr befreite Roberto sein Boot vom Wasser. Auch die anderen Boote wurden ausgeschöpft. Vor allem die ohne Plane waren richtig vollgelaufen.

Wanderung zum kochenden Fluss

Wir vereinbarten, noch ein wenig zu warten, bis der Regen weiter nachlässt. Um 9:30 Uhr fuhren wir dann los. Es regnete zwar noch immer, aber was solls.. Wir wurden den Fluss ein paar Kilometer hochgeschippert und dort bei einem Hügel an Land gelassen. Es waren noch zwei jüngere Paare aus Lima mit von der Partie.

Der Pfad, nass und rutschig, war spannend. Die Lima Connection war bis auf einen Burschen, der auch deutsch sprach, da er in Deutschland studiert hatte, nicht so trittsicher.

Es war tatsächlich nicht einfach. Wir hatten Gummistiefel an: gut gegen Wasser - dafür schlechter Grip. Da kann es einen beim bergabgehen schon mal schnell auf den Allerwertesten setzen. ;-)

Der kochende Fluss im Regen

Der erste Stopp war kurz nach dem Ursprung des Shanay-timpishka, wie der kochende Fluss bei den Einheimischen heißt. Es ist normalerweise glasklar, kommt hier mit 95 Grad daher und kocht tatsächlich! Das ist einzigartig auf der Welt.

Heute "bewunderten" wir aufgrund der starken Regenfälle ein braunes Gewässer und vermischt mit dem kalten Regenwasser war es auch nicht kochend heiß, sondern angenehm warm. Hier machten wir Mittagspause und der Regen wurde immer schwächer, bis er ganz aufhörte.

Was man in einem heißen Fluss so alles machen kann ..

Der zweite Stopp war ein Stück flussabwärts, wo wir in einem heißen Zufluss unsere mitgebrachten Eier kochten, während wir im großen Fluss, der vermischt mit dem Regenwasser angenehm warm war, bei gut 40 Grad badeten.

Nachdem wir unsere gekochten Eier verspeist hatten, wanderten wir noch ein Stück weiter, wo auf mehreren kleinen Kaskaden eine weitere Möglichkeit zum Baden bestand. Wir wollten uns nicht mehr umziehen und nutzten die Hängematten fürs Rasten.

Das Boot brachte uns wieder zurück nach Nueva Honoria. Die Wanderung war auf den speziellen Pfaden doch recht anstrengend. Gut 8 1/2 km sind wir durch den Dschungel gelatscht, haben Bäche durchquert, immer wieder rauf und runter (über 400 hm) - nebenbei "gejagt" von Moskitos.

Es war ein sehr interessanter Tag - ohne Regen wäre es wahrscheinlich schöner gewesen, aber that's life.

Abendessen in Nuevo Honoria

Da wir unsere nassen Klamotten überall im Auto aufgehängt hatten, gingen wir Abendessen. Es hatte nur wenig Lokale zur Auswahl, einige davon waren leer.

Das empfohlene Lokal am Hauptplatz war gut besucht - immer ein positiver Gradmesser. Vor dem Lokal stand eine Tafel mit ein paar Speisen. Der Wirt kam und meinte: es gibt "pollo a la brasa" - gebratenes Hendl.

Und weiter? Nix weiter. Ok, dann Hendl mit Pommes, chaufa (gebratenem Reis) und Salat. Alle essen das Gleiche und trinken auch das Gleiche - einen Zuckerrohrsaft. Wahrscheinlich ist Montag Hendltag - beim ehemaligen Wirten unseres Vertrauens in Wien gab es montags immer Wiener Schnitzel und er hatte eine feine Getränkeauswahl. ;-)

Summiteers Reiseweisheit

Die Videos und Bilder des kochenden Flusses zogen uns in den Bann und wir wollten dieses Naturschauspiel ansehen – wenn wir schon hier in der Nähe sind.

Die Natur entschied jedoch anders. Aufgrund des Regens wurde aus dem klaren kochenden Fluss ein brauner warmer Fluss.

Auch wenn es anders lief, als wir erwarteten, war es ein schöner Ausflug und eine spannende Wanderung.

Auch im Leben ist es wichtig, Dinge anzugehen, die einem wichtig sind. Sollten sie sich aufgrund der Umstände aber nicht so entwickeln, wie man es sich vorstellt, hilft es, das Beste draus zu machen und die positiven Aspekte zu nutzen!