Isla Providencia

Anreise über Isla San Andrés
Nach ein paar weiteren relaxten Tagen in Bocagrande fing unser Inselurlaub an. Unser Ziel war Providencia, eine kleine Insel in der Karibik. Sie liegt vor der Küste Nicaraguas und gehört zu Kolumbien.
Um dorthin zu kommen, muss man zuerst auf die Insel San Andrés. Von dort fliegen dann kleinere Flugzeuge der Fluglinie Satena nach Providencia.
Da wir einiges an Gepäck mit zurück nach Europa nehmen (alles, was nicht im Auto bleiben konnte bzw. sollte, unsere Kleidung und unser Tauchequipment), buchten wir in San Andrés ein Hotel, in welchem wir einen Teil unseres Gepäcks aufbewahren konnten.
Auf dem Flug nach Providencia durften wir pro Person nur je 15 kg im Hauptgepäck und je 5 kg im Handgepäck mitnehmen. Bei unseren 2 x 23 kg Duffelbags und 2 großen Handgepäckstaschen war aussortieren angesagt. :-(
Verrückte Kokosnuss
Wir landeten vormittags in San Andres und fuhren ins Hotel "San Luis Place". Wir wurden von der supernetten und lustigen Natalie empfangen, die uns empfahl gleich mal an den Strand zum Partnerhotel Reina del Mar zu gehen und dort einen Coco Loco zu trinken.
.. der Coco Loco ist ein Cocktail mit Kokoswasser und viel Alkohol – daher der Name "verrückte Kokosnuss" ;-)
Ab zum Strand
Das "San Luis Place by Dorado" ist ein eher einfaches Hotel und liegt an der Ostküste direkt am Meer. Der Strandabschnitt ist allerdings nicht zum Schwimmen geeignet. Das Partnerhotel, welches wir ebenfalls nutzen konnten, ist 800 m entfernt, und liegt direkt am Cocoplum Beach.
Wir machten uns also schnell strandfit und spazierten los. Auf der Straße lag wieder mal viel Müll. :-(
Im Reina del Mar wurden wir ebenfalls herzlich empfangen. Wir spazierten den Strand entlang, der sehr schön und sauber war - allerdings mussten wir immer wieder durch das Seegras stapfen, welches durch den starken Wind der letzten Tage an dieser Inselseite angespült wurde.
Nach einem Mittagessen im Hotelrestaurant genossen wir die Strandliegen mit Blick auf die Karibik.
Packen für Providencia
Nachmittags gingen wir zurück zum Hotel und checkten in unser Zimmer ein. Wir hatten ja noch was vor uns: das Packen der Gepäckstücke für den Flug nach Providencia.
Prinzipiell war es ja einfach: Tauchequipment - macht 10 - 11 kg pro Tasche - d.h. 4-5 kg Platz für Kleidung & Co.
Nach ordentlich aussortieren waren die Taschen gepackt und wir machten es uns bei einem Gläschen Vino Tinto, den wir zuvor noch in einem der kleinen Geschäfte erstanden hatten, auf der Terrasse gemütlich.
Herausforderung am Flughafen
Unser Taxifahrer kam pünktlich um 7:15 und brachte uns zum Flughafen. Wir checkten ein - 2 x 15 kg Hauptgepäck - wir hatten perfekt gepackt! Im Wartebereich gab es leider nicht viel Frühstücksauswahl - Kaffee und Twix sowie unser mitgenommener Müsliriegel mussten reichen.
Wir setzten uns zu unserem Gate - embarque 1 - und warteten. Vor unserem Flug boardete hier noch ein Flug nach Cali.
Wir beobachteten das Cali Boarding, welches sich verzögerte. Ich sah auf die Uhr .. eigentlich sollten wir jetzt boarden. Scheinbar müssen wir darauf warten, bis das Gate frei ist. Providencia war nach wie vor auf der Anzeigetafel. Aktuelle Informationen gibt es hier jedoch nicht. Ab und an kamen Durchsagen, die wir leider nur halb verstanden. Wir hörten allerdings nie etwas, das annähernd nach Satena & Providencia klang.
Die Zeit verstrich und als es bereits in Richtung Abflugzeit ging, wurde Claudia unruhig. Sie stand auf und wollte gerade mal eine Runde zu den anderen Gates machen, als sie eine Durchsage hörte: " Satena - Providencia - ultima llamada embarque 3"!
Letzter Aufruf - jetzt aber schnell!!!
Wir bahnten uns den Weg durch die Menschenmassen zum Gate 3 - und wir waren nicht die letzten! Eine weitere Person dürfte, wie wir, die Gate Änderung nicht mitbekommen haben. Ist aber auch wirklich schwierig als Ausländer mit Reisespanischkenntnissen, wenn die Anzeige nicht geändert wird.
Da hatten wir ja nochmal Glück gehabt!
Mit der ATR 42-500 nach Providencia
Nun ging es zügig zum Flugzeug. Wie hier üblich zu Fuß über Gehwege und dann in 20 Minuten Flugzeit nach Providencia.
Satena fliegt hier mit einer ATR 42-500 mit ca. 50 Sitzplätzen. Die ATR (italienisch-französische Produktion) zeichnet aus, auf einer Landebahn von 1.000 m landen zu können. Die Piste auf Providencia ist ca. 1.300 m und der Flieger kommt zwischen zwei Hügeln rein.
Die Landung war spannend! Aufsetzen und voll in die "Eisen". Beim Umdrehen waren wir am Ende der Landebahn angekommen.
Auf zur Posada Sunrise View
Unser Airbnb, die Posada Sunrise View, liegt am südlichen Ende der Landebahn. Wir gönnten uns mit unserem Gepäck trotzdem ein Taxi. Hier auf Providencia kostet die Fahrt von und zum Flughafen einen Fixpreis von 45.000 COP – ca. 11 Euro. Aufgrund der Nähe bekamen wir trotzdem einem besseren Preis. Vielen Dank an den netten Taxifahrer!
Keo, die Besitzerin, empfang uns herzlich und gab uns gleich mal die wichtigsten Informationen zur Insel. Providencia war ursprünglich eine englische Kolonie, wodurch einige Bewohner lieber Englisch als Spanisch sprechen. Generell haben sie aber eine eigene Sprache, Isleño, ein kreolisches Englisch.
Inselrundfahrt
Wir mieteten uns bei Keo ein Moped und fuhren gleich mal eine Inselrunde, um uns zu akklimatisieren. Wir machten dank Keos Empfehlungen auch eine Tauchbase direkt am Meer ausfindig und meldeten uns für den nächsten Tag an.
Der aus unserer Sicht schönste Strand ist der South West Beach. Ein karibischer weißer Sandstrand mit netten Lokalen, der zum Spazieren, Schwimmen und Chillen einlädt. Die Speisen und Cocktails sind übrigens nicht übertrieben teuer! Sie müssen ja auch für die Bewohner leistbar sein - denn so viele Touristen verirren sich hier nicht her. Wer Partystimmung sucht, bleibt auf San Andres.
Pferderennen am South West Beach
An manchen Samstagen gibt es hier am Strand auch Pferderennen - ein wichtiges Ereignis für viele Einheimische. Es wird gewettet, angefeuert & lautstark diskutiert. Wir hatten Glück, einem dieser Ereignisse beiwohnen zu dürfen. Hier am Strand donnerten tatsächlich Rennpferde von Feinsten im Duell an uns vorbei!
Wanderung zum "Kopf von Captain Morgan"
Einen Ausflug ist auch die kurze Wanderung auf der Insel Catalina wert. Im Nordwesten der Insel spaziert man über die puente de los enamorados, die Liebesbrücke, auf die Nachbarinsel. Es führt ein Weg zum Fort Warwick, wo allerdings nur noch zwei Kanonen und ein Fahnenmast bewundert werden können und weiter zu Captain Morgan's Head, einer Steinformation, die ins Meer ragt.
Laut Reiseführer kann man dort über die Felsen ins Meer steigen, um zu schnorcheln. Das war allerdings weder einfach noch einladend. Durch den extremen Wind und die dazugehörigen Wellen der letzten Tage wurde viel Seegras ausgerissen und an die Küste getrieben und sammelte sich auch in dieser Bucht.
Wir wählten daher eine nette kleine Bucht ohne Seegras, die am Weg lag und genossen schnorcheln & chillen an unserem "privaten Strand".
Genuss bei Albert
In Erinnerung bleiben wird uns auch Alberts Place - ein Lokal am South West Beach mit Sunset-Drink und Dinner direkt am Strand - mit köstlichen, großzügigen Gerichten. Hier gönnten wir uns auch eine traumhafte, riesige Languste. :-)
Diving with Sirius
Das Sirius Dive-Center liegt im Süden des South West Beach. Wir hatten für Samstag zwei Tauchgänge ausgemacht. Unser Equipment brachte Gottfried in der Dufflebag mit dem Moped zum Center. Danach fuhr er nochmals zurück zum Quartier und holte Claudia ab. Das Moped fahren hier ist cool! Die Honda fühlt sich an, wie ein "Kinderspielzeug", läuft trotzdem knapp 70, und hier auf der Insel gibt es nirgendwo Helme.
Im Center war richtig was los, überall wurde das Tauchequipment zusammengebaut. Wir bauten unser Zeug auch zusammen und zogen die Anzüge an. Die Jackets mit den Flaschen wurden an Bord gebracht und wir begaben uns auch aufs Boot. Dann hieß es einmal warten: zwei Ladies aus den USA kamen gerade in der Basis an. Nach ausfassen der Tauchausrüstung begaben sie sich auch noch aufs Boot. Offensichtlich gab es hier doch einige Kommunikationsprobleme hinsichtlich der Abfahrtszeit.
Wir fuhren an der Westseite der Insel in Richtung Norden. Je weiter wir uns von der Insel entfernten, desto höher wurden die Wellen. Und dann wurden wir richtig geduscht, denn der Wind drückte die aufsteigende Gischt direkt in unsere Gesichter.
Fun Diving mit karibischen Riffhaien am "Nicks Place"
Im schaukelnden Boot legten wir unser Zeug an und mit Rolle rückwärts ging's ins Wasser. Dann hinter das Boot und an der Schleppleine festhalten, bis alle im Wasser waren. Alles ok ?! Ab in die Tiefe!
In ca. 16 m begann die Kante in die Tiefe abzufallen. Wir tauchten an der Wand entlang und wieder retour. Mit uns schwammen ein paar karibische Riffhaie mit teil zwei Meter Länge, die äußerst neugierig waren. Sie umrundeten uns in großen Bögen und schwammen zwischen uns durch – immer auf Augenhöhe. Um richtig Angst zu verbreiten, reicht das Verhalten nicht, hierzu müssten sie doch ein wenig größer sein. ;-)
Neben ein paar netten Fischen blieben die Haie hier die Hauptattraktion. Auf fünf Meter machten wir den obligatorischen Sicherheitsstopp und dann an die Oberfläche. Kamera, Lampe, Gewichte ins Boot, Jacket ausziehen und auch ins Boot, dann die Flossen und dann wir.
Flamingozunge am Baja de San Felipe
Die Oberflächenpause wird normal an der Basis abgehalten. An diesem Tag wurde sie am Boot gemacht.
Der zweite Tauchgang war dann an einem Riff, welches von 5 auf 10 m abfällt. Hier waren viele Korallen und Fische anzutreffen. Die Flamingozunge, eine rosa Meeresschnecke, sahen wir hier zum ersten Mal! Und auch einen Tintenfisch durften wir am Ende des Tauchgangs noch beobachten .. einfach immer schön!
Im Zuge unseres Inselurlaubs bauten wir noch zwei weitere Tauchtage ein sowie einen Nachttauchgang.
Tauchen auf Providencia – unser Fazit
Das Tauchen hier ist nett, die Sicht in Ordnung aber auf Grund des Sandbodens und der Wellen bzw. teils leichten Strömung nicht überragend. Es gibt viele unterschiedliche Fische, vor allem die Haie waren sehr nett. Und das Wasser mit 27-28 Grad war mit unseren 3mm Anzügen sehr angenehm!
Im Nachhinein betrachtet waren die Plätze im Tayrona Nationalpark mit mehr Artenvielfalt ausgestattet – aber das wussten wir zu dem Zeitpunkt ja noch nicht. ;-)
Hervorzuheben ist noch der Tauchgang am Tete's Place. Hier gab es sensationelle Fischschwärme, man konnte so richtig in die "Fischsuppe" ein- bzw. durchtauchen! "A BIG OK" für diesen Tauchplatz!
Auch der Nachttauchgang war super! Wir waren mit unserem Guide und dem Kapitän alleine unterwegs. Wir waren auch am Tete's Place, nur die Schwärme waren verschwunden. Wir entdeckten wir üblich schlafende Fische und auch ein großer Snapper tauchte immer wieder in unseren Lichtkegeln auf. Er war auf der Jagd und nutzte das Licht, um sich einen blauen Kaiserfisch zu holen. Mit dem Kaiserfisch zwischen den Zähnen verschwand er ins Dunkle des Meeres.
Das absolute Highlight an diesem Tauchgang waren die letzten 10 Minuten. Wir drehten unsere Lampen ab, wir hängten uns links und rechts beim Guide ein und tauchten in kompletter Finsternis zurück. Da erst vor kurzem Neumond war, war es wirklich "dark". Wir sahen keine Konturen, nur immer wieder kleine Lichtpunkte des fluoreszierenden Planktons. Es war einfach cool, wie am Himmel leuchtende Sterne und dazu schwerelos im Wasser und nur die Geräusche unserer Atemregler. :-)
The sea of seven colors
Keo empfahl uns, eine Boots- und Schnorchel Tour zur Cayo Cangrejo zu machen. Empfohlen - getan! Charles, der Guide dessen Kontakt Keo uns gab, holte uns mit seinem Boot in der Bucht vor unserem Airbnb ab.
Wir fuhren zu den "3 brothers islands", die wir auch von unserer Terrasse aus sahen, und beobachteten die hier nistenden Fregattvögel von der Nähe. Die männlichen Vögel haben einen großen roten Kehlsack, den sie beim Balzen aufblasen - sieht immer wieder genial aus!
Mit dem Boot überquerten wir viele Stellen, an welchen das Meer in extremem Türkis leuchtet. Das Meer rund um Providencia wird auch "the sea of seven colors" - das "Meer der sieben Farben" - genannt, da es durch die Korallenriffe und den weißen Sandboden in der Sonne in unterschiedlichen grün-blau Tönen erstrahlt.
Wir hielten an einem Korallenriff mit wenig Strömung und schnorchelten gut 30 Minuten. Neben den hier üblichen Fischen sahen wir auch einen Jamaika-Rochen, einen kleinen grau-gepunkteten Stachelrochen.
Cayo Cangrejo und Las Margaritas
Weiter ging es zur Cayo Cangrejo, die Krabbeninsel. Sie trägt den Namen vermutlich aufgrund ihrer Form, denn Krabben sahen wir keine. ;-)
Diese Insel ist laut Charles vor allem aufgrund ihrer Aussicht auf das Meer der sieben Farben sehenswert. Wir spazierten also zum höchsten Punkt und genossen die Aussicht.
Gottfried schwamm noch eine Runde im leuchtend türkis-grünen Wasser bevor es zum "besten Schnorchel Spot der Insel" ging: Las Margaritas.
Dieser Spot besteht aus drei Korallenflächen, an dessen Rand man viele Fische beobachten kann. Hier an der Ostseite der Insel gab es auch immer gute Strömung - nur leider konnten wir uns nicht treiben lassen, sondern mussten oftmals dagegen paddeln. Mit den kleinen Schwimmflossen von Charles war das gar nicht so einfach. Netterweise hatten wir ja unser Begleitboot und Charles zog uns ein Stück von einem Korallenspot zum nächsten.
Hier sahen wir neben vieler Fische auch einen grauen Stachelrochen, der im Sand lag. Charles meinte: "Oh - you saw a Manta!"
Wir waren etwas irritiert, da Mantas aus unserer Sicht ganz anders aussehen - aber vielleicht gibt es ja spezielle Rochen hier in der Karibik, die so heißen? Auch von Tauchern am Nebentisch hatten wir vor ein paar Tagen gehört, dass sie Mantas gesehen hätten.
Unsere Google-Recherche brachte keine speziellen karibischen Mantas zum Vorschein - und auch unser Tauchlehrer meinte, er hätte noch nie einen Manta hier gesehen. Am "Manta Place", einem Tauchplatz, gibt es auch nur graue Stechrochen. ;-)