Mitad del Mundo und der Nebelwald


Mitad del Mundo
Vom Nationalpark Cotopaxi fuhren wir die Panamericana Richtung Norden. Es ging recht zügig dahin, nur vor Quito staute es sich ziemlich. Dieser Stau löste sich auf und wir durchfuhren den Großraum Quito. Hier auf 2.800 hm leben über 2,5 Mio. Leute und entsprechend verbaut ist das Gebiet.
In der Stadt selbst waren wir 2011 längere Zeit, da sie damals Ausgangspunkt unserer Bergtouren war. Wirklich vom Hocker gerissen hatte sie uns damals nicht, sodass wir sie nicht nochmals besuchen wollten.
Einen Abstecher machten wir jedoch nördlich von Quito beim Mitad del Mundo, einem Denkmal am Mittelpunkt der Welt - genauer gesagt am Äquator. Hier tummelten sich die Menschen. Jeder wollte ein Foto und natürlich eins mit der Äquatorlinie: ein Bein auf der Nord- und eins auf der Südhalbkugel der Erde.
Nahe dran ist auch knapp vorbei
Eine französische Expedition hatte 1736 den Auftrag, in Südamerika die Äquatorlinie zu vermessen. Im Dschungel war dies nicht möglich, deswegen wurde die Linie in den Bergen Ecuadors vermessen und ein großes Monument errichtet. Davor stehen zahlreiche Büsten mit den stolzen Forschern.
Leider haben sich die Herren mit den damals zur Verfügung stehenden Mitteln vermessen. Die Äquatorlinie ist ca. 240 m weiter nördlich. Heute mit GPS ist das leicht festzustellen. Wir sahen es auf unseren GPS-Uhren. Im Auto waren wir auf der Nulllinie, als wir außen am Monument vorbeifuhren. ;-)
Nachdem wir zwei Tage im Nebelwald waren, haben wir uns die Sache noch einmal genauer angesehen. Wir fuhren ja am Weg hin und retour mehrmals über die Äquatorlinie und so besuchten wir das kleine Städtchen Calacali. Dort steht am Hauptplatz vor der Kirche eine kleine Kopie des Mitad del Mundo und sie rühmen sich, ihr Denkmal tatsächlich auf der Nulllinie erbaut zu haben. Leider auch falsch, denn ihres steht - GPS gecheckt - knapp 200 m zu weit im Süden. ;-)
Cerro Catequilla
Und um das Ganze abzuschließen sind wir über eine abenteuerliche Straße - auf der Bergseite teils 1,5 m ausgewaschen und auf der anderen Seite der Abgrund - auf den Hügel Catequilla gefahren. Hier hat eine Präinka-Kultur vor über tausend Jahren ein Denkmal am Äquator errichtet. Auf diesen Resten wurde jetzt eine Säule erbaut. Und siehe da, die haben vor tausend Jahren die Linie bis auf ca. 15 m genau getroffen.
Respekt und ein wenig peinlich für die anderen Vermesser der Neuzeit.
Wir haben unser persönliches Foto auf der Äquatorlinie gemacht, ganz ohne Denkmal. Claudia auf der Südhalbkugel und ich auf der Nordhalbkugel und doch nebeneinander. :-)
Mindo Lindo – im Nebelwald Ecuadors
Nach dem Besuch des Mitad del Mundo "grande" fuhren wir in den Nebelwald Ecuadors. Entlang der Äquatorlinie fuhren wir auf einer gut ausgebauten Straße ca. 40 km bis zu unserem ersten Ziel, Mindo Lindo.
Schon auf den ersten Metern sahen wir den Nebel bzw. die tiefhängenden Wolken. Es fühlte sich ein wenig an, wie an einem nebligen Novembertag zu Hause, nur mit anderen Pflanzen am Wegesrand.
Mindo Lindo ist ein kleiner Campground mit Cabañas und wird von Heike und Pedro betrieben. Sie haben auch ein Haus für Schulklassen, wo sie den Kindern die Umwelt mit den hier lebenden Tieren näherbringen. Heike stammt aus Deutschland und ist Ornithologin und ihr Mann Pedro Tischler - er hat alles am Anwesen selbst gebaut!
Im Reich der Kolibris
Am nächsten Tag tranken wir unseren Morgenkaffee zeitig auf der Terrasse vor dem Haus, welche der Beobachtungspunkt für die hier lebenden Tiere ist. Sie werden versorgt, sprich gefüttert, und zum Frühstück tummeln sich massig Kolibris der unterschiedlichsten Gattungen und zahlreiche andere Vögel. Daneben sahen wir noch eine Aguti Familie, die ihren Spaß hatte und die Kleinen flitzten hin und her.
Am Grundstück gibt es auch diverse Treks und wir machten nach dem Frühstück eine Runde. Hier war die "tierische" Ausbeute eher gering. Wir sahen bzw. hörten, wie wir nachher erfuhren, einen "mixed flock" – das ist ein Vogelschwarm, in dem unterschiedliche Vögel jagen. Sie schützen sich auf diese Weise gemeinsam vor anderen Beutegreifern.
Auf einem Baum sahen wir eine Pygmäen-Eule - sie ist einer der Fressfeinde der Vögel im mixed flock. Mit 16 - 19 cm ist sie die kleinste Eulen Art weltweit. Ein großer, offensichtlich mutiger, Kolibri ärgerte sie dann so lange, bis sie davonflog. Da sie gut getarnt ist, wird sie selten entdeckt - hier hatten wir Glück! :-)
Bellavista Cloud Forest Reserve
Von Mindo Lindo zu unserem nächsten Stopp hatten wir nur ca. 15 km auf alter Schotterstraße. Das Bellavista Cloud Forest Reserve hat mehrere Zimmer und am Parkplatz - bei rechtzeitiger Reservierung - den einen oder anderen Stellplatz für einen kleinen Camper.
Richard, der Besitzer, arbeitete gerade an seinem Camper. Er hatte sich vor kurzem eine Kabine für seinen Hilux gekauft und will damit die Gegend bereisen. Die Kabine war mit Gurten am Fahrzeug gesichert und die waren teils gerissen.
Als er unsere Baghira sah, war er begeistert und Gottfried, doch schon 7 Jahre mit diesem Fahrzeug unterwegs, gab ihm zahlreiche Tipps für die Optimierung seines Fahrzeuges.
Richard war, bevor er hier sesshaft wurde, auf der ganzen Welt unterwegs. Er hatte auch in den 70er Jahren in Deutschland gelebt und spricht perfekt Deutsch, daneben englisch (no na net) und spanisch, französisch, malagasy (spricht man auf Madagaskar - dort hat er auch gearbeitet) und ein wenig portugiesisch...
Er hatte mit seiner ecuadorianischen Frau vor 30 Jahren über 400 ha Grund hier in der Nähe Quitos gekauft. Die alte Straße führte vorbei und es war viel abgeholzt für die Viehwirtschaft. Sie wollten den Nebelwald schützen und ließen die Flächen unbewirtschaftet. Neben dem bestehenden Primärnebelwald entstand im Laufe der Jahrzehnte ein Sekundärwald. Ziel war Raum für die Tiere zu schaffen und durch sanften Tourismus dies auch zu finanzieren.
Privates Naturschutzgebiet in der Nähe Quitos
Richard gelang es 2019, sein Gebiet als erstes privates Naturschutzgebiet zu widmen. Es bleibt somit nachfolgenden Generationen als solches erhalten. Der Naturschutz ist sein Anliegen: er plant gerade ein neues Projekt, von dem er uns beim Abendessen erzählte. Es ist allerdings noch geheim .. somit berichten wir gerne darüber, sobald es offiziell ist. ;-)
Auch hier gab es zahlreiche Kolibris, welche ebenfalls angefüttert wurden. Sie tranken sogar aus Schalen, wenn man diese in der Hand hielt. Sie waren zudem sehr neugierig und flogen vor dich hin, um zu schauen, ob es vielleicht doch was zu futtern gab. Einer besuchte Claudia sogar im Kab - er war aber so gescheit, den Weg gleich wieder hinauszufinden. :-)
Wir machten zwei Führungen durchs Anwesen, bei welchen uns Flora und Fauna nähergebracht wurden. Wir hörten zwar viele Vögel und sie wurden uns erklärt, zu Gesicht bekamen wir nur einige. Es gibt auch Oso Andinos (Brillenbären), die immer wieder in der Nähe gesichtet wurden. Hier hatten wir Pech – wir sahen leider nur die Reste ihres Essens, nämlich Bromelien, am Weg.
In der Anlage sahen wir auch ein eifriges Eichkätzchen, welches den Vögeln die Bananen klaute. Dann noch einige Tukane und als Highlight am Abend einen Olinguito (Anden-Makibär), der sich eine Banane von einer Staude abriss, dabei seine "Zuseher" im Auge behielt und nach kurzer Zeit in der Dunkelheit verschwand.
Summiteers Gedanken auf Reisen
Beim Anfüttern von Tieren haben wir immer ein zwiespältiges Gefühl. Auf der einen Seite freuen wir uns, diese Tiere sehen zu dürfen, auf der anderen Seite fragen wir uns, was das mit den Verhaltensweisen der Tiere macht.
Es gibt unzählige Meinungen und Erklärungen dazu. Positiv sehen wir, dass es viele Menschen und auch Familien anlockt, die sich dadurch mit der Natur beschäftigen, auf den Führungen von den Guides viel Wissenswertes erfahren und dies sicherlich auch in einem gewissen Maß in ihr Leben aufnehmen und weitertragen.