Ipiales - Kolumbien

02.01.2026

Kunst am Friedhof

Zurück auf der Panamericana machten wir vor der Grenze im Ort Tulcán noch einen Stopp am dortigen Friedhof. Der Cementerio José María Azael Franco Guerrero trägt jetzt den Namen des Künstlers, der ihn berühmt gemacht hat. Es wurden auf dem großen Friedhofsgelände nämlich Zypressen gesetzt und diese in unterschiedliche Formen geschnitten. Es gibt über 300 verschiedene Motive und er zählt heute zu den schönsten Formschnittgärten weltweit. Und ja, die Motive sind sehenswert!

Über die Grenze nach Ipiales

Der weitere Weg führte uns zur Grenze. Ecuador hatte bis 2. Januar im Süden und Norden nur einen Grenzübergang geöffnet und dementsprechend viel war los. Bei der migracion Ecuador, der Ausreise, warteten wir über eine Stunde. Baghira war nach 15 Minuten fertig. :-)

Vor der migracion Colombia, der Einreise nach Kolumbien, fanden wir uns in einer langen Schlange wieder. Beim Zoll für Baghiras Einreise mussten wir ein Onlineformular ausfüllen – war ziemlich mühsam. Dann mussten wir es per Mail übermitteln. Kurzum, nach 3 1/4 Stunden waren wir in Kolumbien, im 9. und letzten Land unserer Südamerikareise angelangt.

Im Grenzort Ipiales fuhren wir gleich in einen Supermarkt. Hier konnten wir unsere Vorräte auffüllen, Bargeld beim Bankomat beheben und eine kolumbianische Sim-Card kaufen - alles auf einmal. :-)

Wissenswertes im Camp Colibri

Wir fuhren auf den Campplatz Colibri. Ana, die Besitzerin, ist unglaublich nett. Sie spricht super Englisch und hat uns nach dem Abendessen in zwei Stunden unzählige Informationen über Kolumbien nähergebracht. Von den besten Reiserouten zu den schönsten Plätzen bis zu "No des papaya".

Diese Redewendung heißt wörtlich übersetzt "Gib keine Papaya" und bedeutet, dass man sich nicht zum leichten Ziel von Räubern machen soll. Papaya ist eine weiche Frucht –trägt man z.B. sein Mobiltelefon offensichtlich frei zugänglich in der hinteren Hosentasche, so ist würde dies einen Raub sehr einfach (weich) machen .. also: "No des papaya!" ;-)

Carneval negros y blancos

Im Süden Kolumbiens findet vom 2. bis zum 6. Jänner ein Karneval statt – der Carneval negros y blancos, ein UNESCO Weltkulturerbe. Seine Wurzeln liegen in den präkolumbischen, amazonischen, andinen und pazifischen Traditionen, die sich mit der hispanischen Kultur der Eroberung und Kolonisation vermischten. Heute zählt er zu den bedeutendsten kulturellen Ereignissen des Landes.

Bereits an der Grenze sprachen uns Reisende an, ob wir zum Karneval anreisen. Wir hatten dies nicht vor, als aber Ana von diesem Fest schwärmte, entschieden wir uns um. Ein Detail bei diesem Carneval ist es, dass die Zuschauer sich mit Schnee / Schaum aus Kartuschen beschießen. Am Ende des Umzugs befinden sich auch Gruppen, die alle Personen, die sie erreichen mit Farbe bemalen / beschmieren. Ana empfahl uns, alte Kleidung zu tragen.

Am nächsten Morgen frühstückten wir ausgiebig und fuhren ins Zentrum auf einen von Ana empfohlenen, bewachten Parkplatz. Keine 50 Meter weiter war eine Straße, an welcher der Karnevalszug vorbeizog. Links und rechts saßen schon die Leute auf ihren mitgebrachten Plastikhockern und warteten. Wir hatten alte Pullover an und kauften uns noch vorsorglich zwei Ponchos.

Die Kinder und auch Jugendlichen lieferten sich mit den Spraydosen teils heftige Duelle und schäumten sich regelrecht ein. Die "Profis" trugen Overalls und Schibrillen - safety first ;-)
Und durch den vielen Schaum, den der Wind vertrug, schneite es in Kolumbien :-)

Wir bekamen am Rande auch ein wenig ab, aber halb so schlimm. Vor der eigentlichen Parade zogen die Straßenhändler vorbei: Spraydosen, Ponchos, Brillen und natürlich Essen und Trinken - alles konnte erworben werden. Dann kam der Umzug: unterschiedlichste Gruppen, die tanzend vorbeizogen. Boxen auf Autodächern gestapelt, davor noch ein lautes Aggregat - Strom muss ja auch sein – abenteuerlich!

Wieder mal ein Fall von: zur Richtigen Zeit am richtigen Ort. :-)

Santuario de Nuestra Señora de las Lajas

Unser nächstes Ziel war die Wallfahrtskirche "Santuario de Nuestra Señora de las Lajas", eine römisch-katholische Pilgerstätte zu Ehren der Marienanrufung einer auf Stein gemalten Rosenkranzmadonna.

Dreimal im Jahr ist besonders viel los und dazu gehört auch der Zeitraum Anfang Jänner. Mit uns war halb Südkolumbien und halb Nordecuador am Weg zu dieser spektakulär in eine Schlucht gebauten Kirche.

Vom Wunder der Señora

Kurz zur Geschichte: Im Jahr 1754 war eine Frau mit ihrer taubstumm geglaubten kleinen Tochter im Canyon des Río Guáitara am Heimweg von Ipiales nach Potosí, als sie von einem Unwetter überrascht wurden. Sie suchten Schutz in einer Mulde am Weg unter riesigen Schieferplatten und das Kind rief "Mamita, die Frau ruft mich..." und zeigte auf eine Erscheinung, die durch Blitze unheimlich erleuchtet wurde. Auf diese Schiefertafel wurde dann von einem unbekannten Maler das Bildnis der "Virgen del Rosario" nachgemalt.

In fünf unterschiedlichen Bauabschnitten, mit einer Holzhütte beginnend bis zur heutigen Basilica minor, erbaut aus grauem und weißem Stein im neugotischen Stil, wird der Señora de las Lajas gehuldigt. Ein interessantes Gebäude mitten im Canyon - ein richtiger Wallfahrts-Hotspot.

Die Kulisse ergänzt ein Wasserfall gegenüber der Basilica und für die nicht mehr so Fitten wurde eine teleférico, eine Seilbahn, in den Canyon hinab gebaut.

Man hat errechnet, dass die Kosten des jetzigen Baus von 1916 bis 1949 1,85 Mio. kolumbianische Pesos (damals ca. 1 Mio. Dollar) kosteten.

Nach ausgiebiger Besichtigung wanderten wir wieder hinauf zum Parkplatz. Eigentlich könnte man hier am Platz auch über Nacht stehen, für uns war dieser Platz jedoch nicht besonders einladend und so fuhren wir weiter.

Laguna de la Cocha - Reserva las Margaritas

Vom Canyon fuhren wir zurück in Richtung Ipiales und dann auf der Panamericana nordöstlich in Richtung Pasto und weiter zu Laguna de la Cocha, wo uns Ana einen netten Stellplatz empfohlen hatte.

Auf der einspurigen Panamericana stauten wir uns in Schrittgeschwindigkeit aus Ipales hinaus. Nach einigen Kilometern fanden wir uns auf einer neu ausgebauten, vierspurigen Straße wieder. Sehr kurvig ging es rauf und runter - herrlich zu fahren mit 60 km/h als erlaubte Höchstgeschwindigkeit. Es gab auch einige Anzeigetafeln für die gefahrenen Geschwindigkeit - also Baghira war richtig im Laufen! Hoffentlich gibt es keine "Sammelstelle" fürs speeden ..

Von gut 3.200 m fuhren wir mit schönem Ausblick hinunter zur Lagune. Die letzten Kilometer zum Stellplatz waren Rumpelpiste und als wir eintrafen, dämmerte es bereits. Die Besitzerin der Reserva las Margaritas wartete auf uns. Da wir einen langen Tag hatten, aßen wir in ihrem kleinen Restaurant zu Abend.

Am Platz stand noch ein weiterer Camper mit einem Paar aus Luxemburg. Sie hatten den 10 Minuten entfernten Wasserfall besucht und nach einem kurzen Austausch zu diesem Ausflugsziel ("Ein Wasserfall halt.") ersparten wir uns den Weg dorthin. ;-) 

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