Von Medellín an die Karibik

16.01.2026

Next stop: Piedra de Peñol

Wer Medellín besichtigt, muss natürlich auch bei diesem besonderen Felsen vorbeischauen.

Aber zuerst mussten wir einmal aus Medellín raus. Ein Einkaufsversuch in der Stadt scheiterte an der Zufahrtshöhe von 2,20 m zum Parkplatz und auch die versuchte Zufahrt über die Ausfahrt - hier gab es keine bauliche Beschränkung - missfiel dem Security... also Weiterfahrt.

Nach der Stadt fuhren wir - nach Entrichtung der Maut - durch einen ewig langen Tunnel und dann mit vielen Medellínern langsam zum Stausee und dem Berg. Unterwegs fanden wir dann doch noch einen Supermarkt mit entsprechender Parkmöglichkeit - also alles gut - und wir konnten uns weiter Richtung Felsen stauen.

Das Bild des Piedra del Peñol mit den Steinstiegen hatte uns imponiert und auch wenn es hier extrem touristisch ist, mussten wir diesen Felsen besteigen.

A liabe Gschicht

Dieser riesige Fels war für die Landwirte dazumals unliebsam. Er nahm Licht für die Äcker und so mieden sie ihn.

Als Luis Eduardo Villegas das Gebiet mit diesem Felsen erwarb, machten sich alle über ihn lustig. Als ein Pfarrer dann belustigt meinte, es werden bald Ausländer kommen, um diesen Felsen zu besteigen, sprang das Ego von Luis an und er bestieg den Felsen mit zwei Freunden in fünf Tagen mit Hilfe von Stöcken, die an der Felswand befestigt wurden.

Was daraus geworden ist, sieht man heute: Unmengen von Touristen besteigen diesen Felsen über 675 Stufen und bestaunen das Umfeld. Die Familie ist nun dank Opa Luis STEINreich. ;-)

Aufstieg mit Weitblick

Vom Gipfel blickt man auf den riesigen Stausee, der eine enorme Wichtigkeit für die Stromerzeugung Kolumbiens hat. Er wurde auch zu einem bedeutenden Touristenzentrum.

Die Landschaft hier ist beeindruckend - die grünen Hügel mit den vielen Stausee-Armen bieten viel Fläche für Hotels, Nebenwohnsitze und eben Urlaubsfeeling!

Uns erinnerte es ein bisschen an den Ottensteiner Stausee in Österreich - nur eben wieder mal VIEL GRÖSSER!

Río Guatapé - Camp El Taurete

Weiter ging es zum Campingplatz am Fluss Guatapé. Wir fuhren erst den Stausee entlang und dann ging es hinunter zum Fluss. Auch diesen Campingplatz fanden wir auf iOverlander und aus den Berichten unserer Vorausreisenden – vielen Dank dafür!

Das Anwesen hier hat eine riesengroße Wiese am Fluss, auf der man sich den Stellplatz aussuchen kann - und es war verglichen zu allen anderen Campplätzen extrem günstig! Sie verlangten tatsächlich nur 20.000 COP - das sind umgerechnet nicht mal 5 Euro.

Als wir ankamen, waren noch einige Camper und Familien hier. Gegen Abend verließen alle den Balneario und lediglich ein Zelt mit Motorradreisenden und wir blieben hier über Nacht. Das hätten wir uns an einem Freitag gar nicht gedacht ..

Glücklicherweise schien seit unserer Ankunft die Sonne und Gottfried bereitete unser 1er-Menü: Steak mit Erdäpfel und Zwiebel von der Grillplatte mit Tomatensalat.

Nach dem Abendessen machten wir noch einen Spaziergang ein Stück weiter den Fluss hinauf zum Wasserfall und ließen den Abend gemütlich ausklingen - im Freien - ohne Regen - bei Sternenhimmel - und einem Achterl Vino Tinto. :-)

Ruhige Nacht und sonniger Morgen

In der Nacht regnete es wieder leicht. Als wir aber am Morgen munter wurden, schien die Sonne ins Kab!

Wir suchten gleich die schöne Badestelle flussaufwärts vor dem Wasserfall auf und genossen das angenehm kühle Bad mit natürlicher Gegenstromanlage.

Beim Frühstück durften wir dann neben den schönen vorbeiziehenden Vögeln auch noch eine Affenfamilie auf der gegenüberliegenden Seite beobachten! Ein toller Platz war das hier!!!

Ein Fahrtag mit Engstellen

Der nächste geplante Stopp Richtung Meer war kein richtiges Highlight, deshalb entschlossen wir uns, zwei Etappen zusammenzuhängen. Gut 320 km, also ein richtiger Fahrtag.

Baghira freute sich über den Auslauf, genauso wie der Fahrer. Wir kamen in den Ort San Rafael. Die Durchfahrt war eng und in einem Steilstück kam auch noch der Bus entgegen. Am Fahrbahnrand standen Mopeds und Motorräder eins neben dem anderen abgestellt. Es wurde immer enger, noch ein Stück zur Seite, damit der Bus weiterfahren kann .. tja, und für ein Moped ging es sich dann nicht mehr aus, ein leichter "Schupser" von Baghira und das Moped legte sich seitlich auf sie.

Claudia stieg aus, ein Kolumbianer half gleich beim Wegheben und deutete alles gut. Wir sollen weiterfahren, damit der Verkehr wieder fließen kann. So einfach kanns gehen!

Nach der Ortschaft schauten wir uns Baghira an, sie hatte Blut - äh Farbe - vom Gegner am Kotflügel. Die ließ sich abwischen... alles gut.

Durch die Seenlandschaft

Dann wurde die Straße enger und der Asphalt endete. Auf einer Schotterstraße mit einigen Löchern kurvten wir auf und ab an einem weiteren Stausee vorbei und über die Staumauer. Eine schöne Landschaft mit wenigen Leuten, der See hier ein Naturreservat - schwimmen, fischen, Wassersport etc. verboten.

Nach gut 20 km langsamen Cruisen wechselte der Untergrund wieder auf Asphalt und wurde dann irgendwann auch wieder - mehr oder weniger - zweispurig. Links und rechts total verwachsen und kurvig den Berg hinunter.

Die Einheimischen kamen mit ihren Klein-Lkws voll Speed um die Kurve, wenn jeder am äußersten Rand fährt, geht es sich aus. Gebremst wird nur im äußersten Notfall. Wenn dann zwei Lkws und ein Bus hintereinander entgegenkommen, und das recht zügig, entlockt es sogar einer geübten Beifahrerin ein paar Töne. ;-)

Fahrkunde für Kolumbien

Wir kamen auf die Hauptstraße und durch eine schöne "Almlandschaft" schlängelte sich die Straße am Río Nus entlang. Es ging zügig dahin, bis wir auf drei Sattelschlepper und einige Pkws aufliefen.

Das Problem hier in Südamerika generell ist, dass viele Pkw-Fahrer nicht überholen (können). Wenn dann ein meist leerer Lkw auf die Kolonne aufläuft, fängt der zum Überholen an und das gefällt uns gar nicht. Wenn dann nämlich Gegenverkehr kommt, fährt der auf die erste Spur zurück und man selbst muss bremsen, um nicht eingeklemmt zu werden. Also ist es schon aus Eigenschutz heraus wichtig, selbst zu überholen. ;-)

In Kolumbien ist auf solchen Straßen zu über 90 % eine doppelte Sperrlinie angebracht, das interessiert hier aber keinen. Ebenso die vielen Tafeln mit Überholverbot. Als letztes Highlight dann noch Plastikstangen, knapp einen Meter hoch in der Mitte der Fahrbahn. Die sind zwar äußerst selten und meist in Ortschaften, aber hier begegneten sie uns auch einige Male. Die sind dann doch fallweise interessant - wenn nämlich nach einer Kurve eine Gerade mit Überholmöglichkeit folgt.

Baghira und Gottfried sahen in der Kurve schon, dass keiner kommt und los geht's mit dem Überholmanöver: Ein Pkw, der erste Sattelschlepper, dann plötzlich die Stangen - der zweite Sattelschlepper geht sich nicht mehr aus – also knapp vor den Stangen noch reinpressen - geht doch! Die GoPro war eingeschalten .. ein cooles "Fahrschulvideo". ;-)

Das Tolle in Südamerika ist, dass die ganzen Verkehrsschilder von fast niemanden beachtet werden. Ich kann so fahren, wie ich es gelernt habe. Straße schmal - fahren auf halbe Sicht, Straße breiter - fahren auf Sicht. Danach, und vor allem nach dem Fahrbahnzustand, richtet sich die Geschwindigkeit - und nicht nach irgendwelchen Taferln.

Autopista mit Affenstegen

Und die letzte 200 km waren dann eine Schnellstraße, teils neu gebaut und Ende 2025 eröffnet. Zweispurig mit Pannenstreifen für langsame Fahrzeuge und bergauf teilweise eine dritte Spur dazu. Und für die Affen gibt es zum Überqueren der Autopista sogar eigene Affenstege!

Hier wird auch kräftig Maut kassiert, wir haben über € 16 bezahlt... für 200 km "bessere" Bundesstraße, eine sogenannte Autopista.

Campo Alegre

Dafür ging es zügig dahin bei überschaubarem Verkehr. Nach 5 1/2 Stunden waren wir am Ziel an einem schönen Stellplatz mit Pool ein wenig außerhalb des Ortes Caucasia.

Zu Abend gab es dann eine gute Pasta, ein Achterl rot und keine Kälte mehr. Wir sind jetzt im Flachland Kolumbiens angekommen knapp über Meeresniveau. Jetzt ist Wärme bzw. Hitze angesagt, und wenig bis kein Regen.

Kolumbianische Trittbrettfahrer

Und nach dem Fahrtag folgt ... genau, ein weiterer Fahrtag. :-)

Diesmal standen 370 Kilometer am Plan, aber ohne Schotterpisten, nur kolumbianische "Hauptverkehrsrouten" mit zahlreichen Mautstellen. Wie hier das Fahren funktioniert, wissen wir ja schon - und täglich grüßt das Murmeltier. ;-)

Zusätzlich beobachteten wir an diesem Sonntag einige "Trittbrettfahrer". Sie schwangen sich an einer Bodenschwelle hinten auf den LKW und fuhren über lange Strecken mit. Einer hatte sich einen LKW ausgesucht, der sehr schnell & überholfreudig war .. da galt es sich ordentlich festzuhalten!

Die Stadt der kolumbianischen Sombreros Vueltiaos

Unser erstes Ziel lag etwas abseits der Route und war eine Empfehlung von Ana vom Camp Colibri in Ipiales: Tuchin - die Stadt, in der die originalen kolumbischen Strohhüte gefertigt werden.

Diese Hüte werden in Handarbeit aus den Blättern der Caña Flecha hergestellt. Diese Fasern sind so flexibel, dass die Hüte für den Transport klein zusammengerollt werden können. Und sie schauen cool aus, ein wenig wie Cowboyhüte, und durch ihre Größe geben sie einiges an Schatten. Claudia wollte unbedingt so ein Teil.

Wir fanden einen Parkplatz und gingen zuerst durch den Markt. Bei 36 Grad Außentemperatur hatte sich trotz Beschattung ein kräftiger Geruch durch das angebotene Fleisch "entwickelt".

Als wir an den Lebensmittelständen vorbei waren, fanden wir ein großes Geschäft mit vielen, vielen Hüten und sonstigem "Geflechtwerk". Claudia begann gleich mit dem Probieren und war im Geschäft zwischen Millionen an Hüten verschwunden. Gottfried blieb außen und sein Blick der Begierde fiel auf eine große, im Abschluss schön geflochtene, Hängematte.

Irgendwie zog es ihn dann doch noch ins Geschäft und am Ende verließen wir es mit zwei klassischen Sombreros und der Hängematte.

Camp Villa del Carmen

Nach ein paar weiteren Fahrstunden erreichten wir unseren Stellplatz. Einen Platz neben der Autopista mit Pool. Es dürfte ein bekanntes Tagesausflugsziel für Kolumbianer sein. Einige Familien verbrachten den Sonntag hier biertrinkend am Pool.

Wir wurden von der Hausherrin herzlich empfangen und bekamen auch noch was zu essen: sehr guten Fisch mit Beilagen um wenig Geld. Danach kühlten wir uns im Pool ab und um 7 Uhr waren wir die einzigen Gäste am Platz.

Spanisch Training mit dem Sohn des Hauses

Wir hatten aber einen treuen Follower: den zwölfjährigen Sohn der Besitzer. Dieser leistete uns bis zum Schlafengehen Gesellschaft – er hatte großes Interesse an Baghira und gefühlte 1.000 Fragen. Wir unterhielten uns auf Spanisch über Schule, Ferien und sonstige Themen. Als ein Flugzeug über uns drüber flog, zeigte Gottfried ihm die App "Flightradar", was ihn natürlich sehr interessierte. Gemeinsam identifizierten die beiden alle vorbeiziehenden Flugzeuge und hatten viel zu tun – der Flughafen von Barranquilla war 10 Flugminuten entfernt. ;-)

Wenn Claudia etwas erledigte, war sein Lieblingsplatz ihr Sessel - sind halt schon sehr bequem unsere Superstühle aus Südtirol – im Vergleich zu den einfachen Plastiksesseln des Camps.

Auf zur Karibik

Trotz der direkt vorbeiführenden Straße sowie der Leuchten am Parkplatz, die eine Landebahn ausleuchten könnten, schliefen wir sehr gut. In der Früh gabs wie immer einen guten kolumbianischen Kaffee aus unserer Bialetti. Rasch machten wir uns auf den Weg, denn an diesem Tag wollten wir zur Karibik!

Von unserem Campplatz fuhren wir weiter in Richtung Norden. Entlang des Rio Magdalena kamen wir nach Barranquilla. Hier "verdreckte" sich die Landschaft enorm. Bis dato nahmen wir Kolumbien als sehr sauber wahr - die Ortschaften und Städte waren großteils sauber und gepflegt. Es gab sogar oft die Möglichkeit der Mülltrennung. Natürlich lag fallweise auch Müll herum, aber hier war es echt heftig. :-(

In Barranquilla fuhren wir in östlicher Richtung weiter und kamen ans karibische Meer. Wir fuhren zwischen Karibik und der Lagune Ciénaga Grande de Santa Marta entlang. Pflanzen links und rechts schränkten die Sicht deutlich ein – dennoch freuten wir uns immer wieder, endlich am Meer zu sein!

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