Inti Chakra Ranch - Cotopaxi Nationalpark

Auf der Suche nach der perfekten Ranch
Als wir 2011 in Ecuador waren, ritten wir im Cotopaxi Nationalpark. Es war so schön, dort über den Páramo zu reiten, dass wir es unbedingt wiederholen wollten. Die Lodge, in der wir damals waren, hatte sich weiterentwickelt und wirkte im Internet ziemlich exklusiv. Sie war auch 2011 schon sehr touristisch, aber irgendwie sprach sie uns nicht mehr an.
Auf iOverlander fand Claudia einen Eintrag der Ranch Inti Chakra. Sie schrieb Cristian, den Besitzer, an und fragte nach Informationen zu den Ausritten. Er schickte umgehend einen Folder und wir fanden einen Eintrag, dass auch campen möglich wäre - wunderbar! :-)
Familienanschluss auf der Ranch
Nach etwas WhatsApp Konversation war ein Ausritt und die Übernachtung vereinbart.
Als wir zur Ranch kamen, empfing uns Cristians Frau. Wir durften hinter ihrem Wohnhaus unseren Stellplatz beziehen. Es stellte sich heraus, dass sie vorhaben, einen richtigen Camp Ground zu machen und in der Zwischenzeit den Platz bei ihrem Haus zur Verfügung stellen.
Wir erhielten somit Familienanschluss und die zwei Kinder kamen immer wieder vorbei, um zu sehen, ob wir etwas benötigen. Für solche Momente haben wir immer ein paar Wanderpackungen Manner Schnitten mit dabei und die schenkten wir den beiden. Mit leuchtenden Augen bedankten sie sich und in Folge wurden wir mit einer Schüssel geröstetem Mais (Chulpe) mit Käse verwöhnt.
Stellplatz mit Aussicht
Als Cristian von der Arbeit heimkam, um eine Zwischenmahlzeit einzunehmen, besprachen wir den Ausritt, der für den kommenden Tag geplant war, und er lud uns zum Abendessen ein. Er selbst musste wieder zur Arbeit und wir genossen den Blick auf die Ilinizas, die sich langsam aus den Wolken schälten.
Von diesem Platz aus hat man einen wunderbaren Blick auf die zwei Gipfel des Iliniza und auf den Cotopaxi. Dieser zeigte sich leider nicht ganz. Spät am Nachmittag erspähten wir einen Blick auf die seitlichen verschneiten Hänge - ein imposanter Vulkan!
Abendessen mit der Familie
Als uns die Kinder zum Abendessen holten, war Cristian noch nicht von der Arbeit zurück, aber dafür waren viele andere Familienangehörige anwesend, wie Tanten und Onkel mit Kindern und die Oma.
Im Wohnzimmer nahmen alle am Esstisch und auf dem Sofa Platz und bekamen ein typisch ecuadorianisches Gericht: gebratenes Fleisch mit vielen Beilagen, wie Reis, Erdäpfel, Kochbanane und Mais und einer guten Aji-Sauce.
In unserem "español simple" unterhielten wir uns mit der Familie, die sehr gespannt war, wie wir mit unserem Fahrzeug hierherkamen und was wir noch vorhatten.
Als Cristian und sein Vater kamen, wiederholten wir diese Konversation und erhielten viele Informationen über die Arbeit, das Leben und die Kultur der Chagras. Die Chagras sind vergleichbar mit den Gauchos in Argentinien und Chile.
Rodeo in Lasso
Als wir nach einer geruhsamen und gemütlichen Nacht aufwachten, war Cristian bereits am Arbeiten: er beschlug eines der Pferde mit dem Namen Berlin.
Wir hatten eigentlich vor, in den Nationalpark zu reiten, in dem man wunderbare Blicke auf den Cotopaxi hat. Leider war der Vulkan nach wie vor in Wolken und zeigte sich nicht. Cristian fragte uns, ob wir Lust hätten, statt des Ausrittes im Nationalpark zu einem Chagra Rodeo, einem Event im Ort Lasso, zu reiten.
Natürlich waren wir Feuer und Flamme! Schon in Argentinien waren wir begeistert von den Events, an welchen die Gauchos mit ihren Familien zusammenkamen. Die Ehrung der Virgen del Carmen, die wir in Argentinien sahen, war uns noch sehr präsent. (siehe Gauchos in El Carmen)
Anreise zu Pferd
Nach dem Frühstück fuhren wir mit Christian zur Ranch seines Vaters, die ein paar Straßen weiter liegt. Uns begleiteten zwei Pferde im Hänger, eines am Hänger angehängt und zwei weitere freilaufend. Es ist schon spannend, wie einfach hier ein Transport stattfinden kann. ;-)
Cristian und sein Vater sattelten die Pferde und stylten sie für den Event. Auch wir bekamen Chaps und einen Poncho in Farben der Familie. Und so ritten wir los. Zuerst in Richtung Haus, wo wir die Tochter und den Sohn abholten. Die 13-jährige Michaela ritt auf ihrem eigenen Pferd und Antonio, der drei Jahre alt war, durfte am Sattel vor Cristian Platz nehmen.
Der Weg nach Lasso führte zuerst über Fahrwege und dann über die asphaltierten Straßen. Wir ritten in zügigem Tempo mit vielen Trab- und Galoppstücken .. sogar auf Asphalt. Hier merkt man: die Pferde sind Fortbewegungsmittel - und auf den wenig befahrenen Straßen war auch das Galoppieren sehr angenehm.
Cristians Pferde sind topp ausgebildet. Die sind nervlich stabil - auch Hundehorden, die sie anbellten und ihnen nachstellten, brachten sie nicht aus der Ruhe. Ebenso wenig die Autos und LKW, die uns ab und an überholten.
Mittendrin statt nur dabei
In Lasso angekommen war schon einiges los. An den wartenden Autos vorbei ritten wir zum Festzug und stylten uns mit unseren Ponchos. Gottfried hatte seinen Chagra-Hut mit, den er bereits 2011 in Ecuador in Otavallo gekauft hatte, und ich durfte mir einen wunderschönen Hut von Cristians Frau leihen.
So stellten wir uns in die Reihe des Festzuges und ritten langsam in Richtung Festplatz - begleitet von Pickups mit Musikboxen, aus denen es laut schallte, und auch Whiskey- und Vodka-Mix-Getränke ausschenkenden Ladies.
Die Zuseher fotografierten uns - wir waren diesmal tatsächlich mittendrin und ein Teil der Chagra-Familie - einfach einzigartig!
Bienvenido austriacos
Am Festplatz wurden alle Teilnehmer empfangen und wir "extranjeros de Austria" bekamen ebenfalls einen Applaus.
Dann begann der Wettbewerb. Jeweils zwei Chagras hatten die Herausforderung, einen jungen Bullen mit den Lassos an den Hörnern zu fangen und ein dritter legte ihn dann nieder. Diese Tätigkeit stammt aus dem echten Chagra Leben. Die Rinder leben das ganze Jahr im Freien, und werden nur einmal zusammengetrieben. In dieser Woche - genannt Rodeo - erhalten die jungen Bullen ihr Brandzeichen, diejenigen die verkauft werden, werden aussortiert und alle erhalten notwendige Vitamine und Medikamente.
Im echten Leben haben sie allerdings so lange Zeit, bis der Bulle gefangen wird. Beim Wettbewerb müssen sie die Aufgabe in drei Minuten erledigen. Wir sahen lange zu - und ganz oft hörten wir: "Disqualificado - gracias." Echt nicht einfach!
Es war ein unglaublich tolles Erlebnis, bei einem Chagra Rodeo mit dabei zu sein - muchísimas gracias Cristian y familia!
Summiteers Reiseerlebnis
Die Freundlichkeit und Gastfreundschaft mancher Familien sind unglaublich! Für uns ist es ein Geschenk, tiefer in Kulturen und Lebensweisen eintauchen zu dürfen. Da unser Spanisch ja leider noch nicht besonders gut ist, ist das nicht immer so einfach.
Auf Inti Chakra bemühten sich alle, sehr langsam und deutlich zu sprechen – und so konnten wir zusätzlich auch unsere Spanischkenntnisse aufbessern!