Turbaco & Cartagena

Schlammige Fahrt zum Tiny House
Wir verabschiedeten uns am Campingplatz von den anderen Overlandern. Einige werden wir beim Verschiffen wieder treffen, die kanadischen "Nachbarn" bereits in der nächsten Unterkunft.
Turbaco ist ein kleiner Vorort von Cartagena und Claudia hatte uns dort für zwei Tage ein Tiny House ausgesucht. Davor war ein gepflasterter Weg für die Pflege von Baghira.
Vorher machten wir einen Abstecher nach Cartagena, um einzukaufen, da die Unterkunft etwas abgelegen ist. Von der Hauptstraße führte eine Zufahrtsstraße über einige Kilometer zum Tiny-House. In der Regenzeit wird 4x4 empfohlen. Es war zwar "Trockenzeit", aber die letzten zwei Tage hatte es geregnet. Daher war die Lehmstraße jetzt eine Schlammpiste und wir arbeiteten uns mit 4x4 auf der Ebene durch. Dementsprechend sah Baghira aus, eine richtig verdreckte Offroad-Lady! ;-)
Hier in der Pampa standen ein paar ganz neue Tiny Houses, ausgestattet mit allem, was notwendig ist, einem kleinen Pool und einer Waschküche mit tollen, neuen Geräten. Sehr genial! Die Waschmaschine und der Trockner liefen im wahrsten Sinne des Wortes "heiß".
Baghiras Vorbereitung auf die Verschiffung
Wir räumten sämtliche Kisten aus und reinigten alles. Dann entschieden wir, was mit auf die restliche Reise geht und was ins Auto für die Rückverschiffung kommt. Leider nieselte es anfangs immer ein wenig, dann kam aber die Sonne raus und das Kab konnte richtig austrocknen.
Der Vermieter fragte uns, ob wir einen Schlauch haben wollen – das war natürlich sehr hilfreich und so konnte Gottfried Baghira auch außen grob reinigen. In den zwei Tagen verstauten wir dann alles wieder und der nächste Abschnitt, die Abgabe im Hafen, kann beginnen. Der Abgabetermin wäre eigentlich Mittwoch gewesen. Aufgrund von Verzögerungen in Mexiko wurde dieser aber auf Freitag verschoben.
An zweiten Tag kamen Jeff und Sherry, unsere kanadischen Bekannten, an. Sie hatten die Abgabe am Donnerstag. Wir verbrachten einen netten Abend und plauderten über Erlebtes - echt spannend!
Auf nach Cartagena
Am Morgen packten wir noch gemütlich unsere Duffelbags und checkten das Gewicht für die weitere Reise. Gottseidank war es diesmal einfach - für den Flug nach San Andres geht sich alles locker aus!
Wir verabschiedeten uns von Jeff und Sherry sowie vom Akana-Tiny House Team, das uns so nett und vorausschauend unterstützt hatte, und machten uns auf den Weg nach Cartagena - zuerst zur Autowäsche, dann zu unserem Quartier.
Der Verkehr in der City war zwar wie üblich kolumbianisch, aber etwas entspannter als in anderen Städten.
Unser Airbnb lag in Bocagrande, dem "Miami von Kolumbien". Hier steht ein Hochhaus neben dem anderen - die kleinen Kolonialbauten sieht man nur vereinzelt. Wir hielten vor dem noblen Edificio Infinitum, einem Hochhaus, welches sowohl Eigentümer als auch Touristen beherbergt, und wurden vom Lobbyteam freundlich empfangen.
Wir waren zwar um ein paar Stunden zu früh, aber das Appartement war bereits fertig und wir konnten unser Gepäck gleich in den 13. Stock bringen. Das Appartement mit großem Balkon mit Blick auf die Bay ist großartig! Hier würden wir es die nächsten acht Tage sicher gut aushalten.
Ein Quartier für Baghira & ein Stadtspaziergang
Die Einfahrt in den Parkplatz hier im Haus war für Baghira leider zu niedrig - so fuhren wir zum City-Parkplatz, der ca. 3 km entfernt liegt und stellten Baghira auf dem gesicherten, rund um die Uhr bewachten Parkplatz ab.
Wir drehten auch gleich eine Runde in der Altstadt und fanden ein nettes Lokal im Innenhof eines Hotels, um eine Kleinigkeit zu essen. Danach spazierten wir entlang der Bay und bei untergehender Sonne entlang des Strandes von Bocagrande in Richtung Appartement. Im nahegelegenen Supermarkt kauften wir noch ein und genossen den Abend auf der Terrasse mit herrlichem Ausblick!
Chillen im Infinitum Tower
Am nächsten Tag ließen wir es ruhig angehen und besuchten die Pool-Landschaft des Infinitum Towers. Sie war während des gesamten Tages gut besucht, aber nicht überfüllt. Wir plauderten mit zwei Kolumbianern aus Bogotá, die hier zwei Appartements besitzen und erfuhren ein paar Details zum Haus und der Umgebung, in der man gemütlich entlang der Bay und des Strandes spazieren kann und in der es auch viele Shops und Lokale gibt.
Für die Kolumbianer ist dieses Viertel eines für die "Reichen" - für uns Touristen jedoch eine günstige Möglichkeit mehrere Tage in schönem Umfeld zu übernachten.
Centro & Getsemaní
Donnerstagnachmittag spazierten wir in die City, um an einer Free Walking Tour teilzunehmen. Bisher hatten wir sehr gute Erfahrungen damit gemacht, da die Guides daran interessiert sind, eine gute Tour abzuliefern. Man zahlt keinen fixen Betrag, sondern gibt am Ende der Tour ein passendes Trinkgeld.
Liz, unsere Guidin, gab wirklich alles. Sie redete ohne Unterlass .. für unseren Geschmack dann doch etwas zu lange. Und wir waren nicht die Einzigen, die dies offensichtlich so empfanden. Wir machten drei Gruppenfotos, Beginn - Mitte - Ende. Die "Follower" reduzierten sich von zu Beginn gut 30 auf 17 am Ende. Tja, ab und zu ist weniger, dafür spannend dargeboten, deutlich besser als viele Details. ;-)
Von Tanz & Musik
Jedenfalls erfuhren wir viel zur Historie der Stadt und der Einwohner. Da hier in Cartagena der Sklaven-Umschlagplatz war, haben viele der aktuellen karibischen Kolumbianer afrikanische Wurzeln - und das erlebt man auch in Tanz und Musik hier im Norden Kolumbiens. Vorherrschend ist der Cumbia, der auch in Shakiras Musik oft vorkommt. Sie stammt ja aus Barranquilla, einem Ort an der Karibikküste im Osten von Cartagena.
Besonders nett fanden wir die Story über den Vallenato, eine der Musikrichtungen in dessen Zentrum das Akkordeon steht und uns an österreichische Heimatlieder erinnert. Liz führte uns den dazu passenden Tanz vor: in einer Hand das Bier, zum Himmel gestreckt, die andere Hand ans Herz, Augen schließen und langsam hin und her steigen. Das ist was für uns!
Hogwarts Fiaker
Im neu erschienenen Reiseführer lasen wir auch von den Fiakern, die man nicht nutzen sollte, da die Pferde oft nicht gut behandelt werden würden und in dieser Hitze arbeiten mussten ..
.. auch wenn der Reiseführer erst vor 3 Monaten erschienen ist, dürfte doch schon wieder einige Zeit vergangen sein. Die Fiaker sehen nun ganz anders aus .. keine Pferde mehr .. erinnerte uns etwas an die Kutschen von Hogwarts (Harry Potter). ;-)
Abendausklang in Getsemaní
Vom Centro spazierten wir durch den Parque del Centenario, in dem ein Faultier und ein paar Affen zu Hause sind, nach Getsemaní, dem Viertel das aufgrund seiner Streetart, der kolonialen Gebäude sowie günstiger und lebhafter Lokale bedeutend wurde.
Nach dieser informativen und langen Tour gönnten wir uns eine Pizza in der Trattoria Di Silvio - einem Lokal das Liz uns empfohlen hatte und in dem wir tatsächlich sehr gute knusprige, gut gewürzte Pizza mit dünnem Boden bekamen!
Baghiras Kreuzfahrt
Freitag war es dann so weit: wir übergaben Baghira der Reederei für die Verschiffung nach Europa.
Wir standen früh auf und spazierten die etwas mehr als 3 km zum Cityparkplatz. Hier checkten wir nochmal die Batterie im Kab - 100% - passt! Nun können wir die Versorgung kappen, ohne dass die Batterie während der langen Reise Schaden nimmt.
Wir fuhren durch den Morgenverkehr entlang der Bay zum Treffpunkt bei einer Tankstelle in der Nähe des Verladehafens. Jürg und Irene, die beiden Schweizer, die wir in Barú kennengelernt hatten, trafen wir bereits unterwegs und auch Rainer, ein deutscher Overlander, war vor Ort. Auch ein Reisender aus Litauen war hier, um sein Fahrzeug zu verschiffen.
Die Fahrzeugbesitzer bzw. -lenker zogen die Schutzkleidung an und dann hieß es für Claudia Abschied nehmen von Baghira. Gute Reise Du Brave - genieße die "Kreuzfahrt" auf Deinem Luxus-Autoliner!
Puerto Bahía
Von der Tankstelle fuhr Gottfried im Konvoi zum Puerto Bahía. Vor der Hafeneinfahrt mussten sie kurz warten, bis die Einfahrtsgenehmigungen organisiert wurden. Nach der Einfahrt war dann weiteres Warten angesagt, bis der Papierkram erledigt war. Dann ging es einzeln durch die Röntgenstraße und in weiterer Folge wurden die Fahrzeuge neben einer Halle abgestellt. Nach gut zwei Stunden war das Prozedere im Hafen erledigt.
Die Herren fuhren zur Tankstelle zurück und holten Claudia und Irene, um dann gemeinsam noch ins Office zum Bezahlen zu fahren. Danach wurden wir mit dem Taxi zu unserem Quartier gebracht – sehr gut organisiert!
Drogenkontrolle
Das Schiff war für den 10.2. avisiert und laut unserer App auch im Plan. Deshalb war am Montag, den 9.2. die Drogenkontrolle angesetzt. Gottfried wurde kurz vor 7 Uhr abgeholt und es ging wieder direkt in den Hafen. Nach dem Aushändigen der Zutrittsberechtigungen fuhren wir direkt zu den Fahrzeugen. Diese mussten entsprechend vorbereitet werden. Sämtlich Kisten wurden hinter den Fahrzeugen zugänglich auf dem Boden abgestellt und sämtliche Kästen im Fahrzeug mussten geöffnet werden.
Dann kam ein Polizist mit Drogenspürhund, welcher alles entspannt beschnupperte. Am interessantesten fand er die Reifen, an welchen wahrscheinlich hunderte Hunde aus Südamerika ihre Duftmarken hinterlassen hatten. Da roch er, trotz intensiver Reinigung, noch die Spuren seiner Freunde. ;-)
Das Herrl wollte ihn dann noch dazu bewegen, in die Kabine zu springen. Dies war dem Hund aber zu hoch, so wurde nur von außen ins Fahrzeug geschnuppert.
Dann kam noch ein weiterer Polizist und durchsuchte die Stellen, wo der Hund nicht hinkam. Interessant, dass der ganze Suchvorgang vom Mitarbeiter unserer Speditionsagentur gefilmt wurde .. es wird ja nicht schon was durch die Polizei abhandengekommen sein?
Nach der Kontrolle wurde wieder alles im Fahrzeug verstaut. Den
Schlüssel für die Kabine konnten wir diesmal behalten und so gab Gottfried nur
den Fahrzeugschlüssel ab.
(Bei der Hinfahrt hatte die Spedition alle Schlüssel.)
Zum Schluss wurden noch sämtliche Türen, bis auf die Fahrertüre, versiegelt. Am längsten, nämlich über zwei Stunden, wartete Gottfried auf die Unterschrift des Polizei-Obersten. Tja, wenn das halt gerade in die Mittagspause fällt .. ;-)
Auf der Rückfahrt fuhren wir noch im Office vorbei und bekamen die Ausreisepapiere für unsere Fahrzeuge. Nach gut sieben Stunden war das auch erledigt, und Baghira konnte die Heimreise antreten.
Baghira darf nach Hause
Sie hat uns hier in Südamerika treue Dienste geleitet. Auf 34.500 Kilometern sind wir mit ihr durch 9 Länder (Uruguay, Argentinien, Chile, Brasilien, Paraguay, Bolivien, Peru, Ecuador und Kolumbien) gereist. Trotzdem sie eine neue Lunge (Turbolader) bekommen hat, ist sie immer zuverlässig angesprungen und hat uns nie im Stich gelassen. Viele, auch schwierige Offroad-Passagen, hat sie bravourös gemeistert. Zwei Fahrzeuge hat sie aus misslichen Lagen herausgezogen. Selbst brauchte sie nie Hilfe. Ein einfach ganz geniales Expeditionsfahrzeug. DANKE, brave Lady!
In der Nacht wurde sie dann verladen und fuhr im Autoliner über die Karibik, Marokko und Spanien nach Bremerhaven. Gute Reise und wir sehen uns Anfang März! :-)