Über die Anden nach Amazonía

03.12.2025

Ab in die Anden

Kurz nach Mittag starteten wir bei Carlos und fuhren die PE22, die Carretera Central, in Richtung Nordost. Die Straße schraubte sich gemächlich nach oben am Rio Rimac entlang. Am Paso Ticlio erreichten wir mit 4.818 hm den höchsten Punkt. Am Weg war extrem viel Verkehr mit Massen an LKWs, welche die Ausbeute der zahlreichen Minen transportierten. Dementsprechend langsam waren wir auch unterwegs.

Hacienda La Florida

Nach dem Pass fuhren wir an einigen Lagunen vorbei und je tiefer wir kamen, desto grüner wurde das Tal. Kurz nach der Stadt Tarma schlugen wir in der Hacienda La Florida unser Lager auf.

Es ist ein Hotel mit der Möglichkeit zum Campen, welches von einem deutsch-peruanischen Paar betrieben wird. In einem der leerstehenden Zimmer konnten wir Bad und WC benutzen und die große, überdachte Outdoorküche hatten wir für uns allein.

Wir trafen dort auch auf eine Peruanerin, die in Lima in der Schule Deutsch gelernt hatte! Ihre Lehrerin war Inge, die Besitzerin der Hacienda – und der Sohn von Inge ist ihr jetziger Arbeitgeber. Sie arbeitet für ein Unternehmen, das Trockenfrüchte produziert und verkauft. Da in der Nähe im Hochregenwald viel Obst angebaut wurde, baute das Unternehmen am Gelände nebenan gerade eine neue Fabrik und sie hatten auf der Hacienda ihr provisorisches Büro.

Die Hacienda liegt auf knapp 3.000 hm. Von Carlos auf ca. 700 hm kommend, steigerten wir die Schlafhöhe krass – dennoch schliefen wir sehr gut!

Durch den Hochdschungel

Von Tarma ging es dann weiter bergab und wir tauchten immer tiefer in den Hochgebirgsregenwald ein. In Peru wird dieses Gebiet auch als Hochdschungel bezeichnet, die Andenausläufer, die von 3.800 bis 800 hm hinabreichen. Bei guter Straße und wenig Verkehr kamen wir auch gut vorwärts.

Zoológico - Mariposaria Zhaveta Yard

Nördlich von La Merced machten wir einen Zwischenstopp bei einem kleinen Zoo. Es gab ein riesiges "Schmetterlingshaus" und wir schlossen uns einer Führung an. Die Dame sprach äußerst schnell und wir verstanden nur Fragmente. Aber die schönen, riesigen Schmetterlinge flatterten um uns herum - man muss nicht alles verstehen, wenn man auch schauen kann. Danach ging die Führung weiter durch einen kleinen Zoo. Es werden hier Tiere gehalten, die u.a. verletzt aufgefunden wurden.

Auf den Spuren der deutsch-österreichischen Siedlern

Richtung Norden fuhren wir weiter bis zur Stadt Oxapampa. Diese wurde von deutschen und österreichischen Aussiedlern gegründet. Der Baustil lässt noch eine alpenländische Zugehörigkeit erahnen und man sieht auch Häuser, wie sie bei uns gebaut werden und sich daher vom peruanischen Baustil stark unterscheiden. Hier aßen wir auch gleich zu Mittag. Das Cordon Bleu, welches auf der Speisekarte stand, gab es leider nicht mehr – also dann doch was Peruanisches. ;-)

Die Straßen im Hochregenwald sind hier aufgrund des vielen Regens und des extrem steilen Geländes eine Herausforderung. Dementsprechend viele Baustellen mit teils langen Stopps haben uns dann doch einen wenig aufgehalten.

Pozuzo - Lluvias Eternas

Vor Pozuzo im Park National Yanachaga-Chemillén erreichten wir mit dem Camping Lluvinas Eternas unser Etappenziel. Hier machten wir eine kleine Wanderung zu einem Fluss mit mehreren kleinen Wasserfällen und einem Überhang, wo aus dem Moos das Wasser tropft. Daher auch der Name Lluvinas Eternas - ewiger Regen.

Im zugehörigen Lokal bekamen wir sehr guten Fisch zum Abendessen – Pacos, eine Fischart, die wir aus Brasilien bereits kannten.

Hinunter in den Dschungel

Wir starten am nächsten Morgen kurz nach acht Uhr, denn wir hatten einen langen Reisetag vor uns. Knapp 90 km ging es auf einer Piste dahin. Immer wieder querten kleine Bäche den Weg und so lag die Durchschnittsgeschwindigkeit bei unter 30 km/h.

Im Hochregenwald fuhren wir zuerst Richtung Norden und dann nach Osten in den Dschungel Perus. Hier in der Ebene war die Straße asphaltiert und die Landschaft änderte sich schlagartig: links und rechts der Straße war der Dschungel gerodet und wird jetzt landwirtschaftlich genutzt.

Kurz vor Nuevo Trujillo kamen wir auf die Hauptstraße nach Pucallpa, zweispurig asphaltiert und relativ neu. Leider war die Straße gefühlt alle paar Kilometer eingebrochen und wurde großflächig repariert.

Pucallpa – eine Großstadt im Dschungel

Gegen 15 Uhr trafen wir dann in Pucallpa ein. In der Stadt ist richtig was los, mit ihren 140.000 Einwohnern ist sie eine der am schnellsten wachsenden Städte Perus.

Wir tankten, machten einen Großeinkauf im Supermarkt und fuhren dann zu unserem Stellplatz in der Nähe der Lagune Yarinacocha.

Hostel & Camping "Los Delfines"

Dieses Hostel wurde uns von John, dem Anwalt, der uns beim TIP unterstützt hat, empfohlen. Wir stellten Baghira auf der Wiese ab und machten es uns in der großen Outdoorküche gemütlich.

Nach einer Besichtigungstour zur Lagune kochten wir einen unserer Klassiker: Spaghetti mit Salchicha-Sauce und bekamen Gesellschaft von der Besitzerin, Yvonne, und zwei ihrer Gäste. Marli, eine junge Architektin aus Chimbote (Region Ancash am Meer), lebt seit drei Jahren hier und baut Schulen. Ihre Mutter, Doris, war gerade auf Besuch.

Es war ein interessanter und lustiger Abend, bei dem auch die eine oder andere Flasche Wein geleert wurde. Die Ladies liebten den "bonito sonido" - den Klang einer sich öffnenden Weinflasche. ;-)

Summiteers Reiseinspiration

Wenn wir eine Sprache noch nicht gut können, ist es für uns eine Herausforderung Small Talk zu betreiben, da wir die Dialekte und schnelle Aussprache sehr schlecht verstehen. Die Bitte "más lento, por favor" (etwas langsamer, bitte) bringt oft keine nachhaltige Änderung der Aussprache unserer Gegenüber. ;-)

An Abenden, wie diesen, macht es Spass in Spanisch und Englisch zu kommunizieren und alle Beteiligten profitieren davon! Yvonne und Marli konnten ihr Englisch praktizieren und üben und wir unser Spanisch!